Beteiligungs­modelle Insight 2:
Beteiligung für Wind und Solar

1. Warum ist Beteiligung für Erneuerbare Energie heute so wichtig?

Die Energiewende ist nicht nur eine technologische, sondern vor allem eine gesellschaftliche Aufgabe. Der Ausbau Erneuerbarer Energien betrifft Regionen, Gemeinden und Bürger direkt, oft im wahrsten Sinne des Wortes vor der eigenen Haustür. Doch je näher oder größer das Projekt, desto ausgeprägter sind erfahrungsgemäß die Vorbehalte. Windräder verändern das Landschaftsbild, Solarparks beanspruchen Flächen. Zustimmung entsteht selten von allein.

Beteiligungsmodelle schaffen Möglichkeiten, wie Bürgerinnen und Bürger, Kommunen und lokale Akteure unmittelbar vom Betrieb Erneuerbarer Energien profitieren können, finanziell, strukturell oder durch vergünstigte Strompreise. Beteiligung wird damit zum Bindeglied zwischen Projektentwicklung und gesellschaftlicher Akzeptanz.

Nicht zuletzt fordert auch die Politik zunehmend konkrete Teilhabe. Mit § 6 des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG) wurden gesetzliche Grundlagen geschaffen, um Kommunen rechtssicher finanziell an den Erlösen von Projekten zu beteiligen und sie aktiv in Vorhaben einzubinden. Parallel wächst in vielen Gemeinden der Wunsch, nicht nur Gastgeber, sondern auch Mitgestalter der Energiewende zu sein.

 

2. Welche Beteiligungsmodelle funktionieren und für wen?

Finanzielle Beteiligung durch Bürgerinnen und Bürger

In einigen Projekten können sich Bürger direkt beteiligen, zum Beispiel über Nachrangdarlehen (eine fest verzinste Geldanlage mit erhöhtem Risiko, da im Insolvenzfall nachrangig bedient) oder Schwarmfinanzierung (viele Einzelpersonen beteiligen sich mit kleinen Beträgen über digitale Plattformen an einem Projekt). 

Beispiel: Anwohner der Standortkommune erhalten die Möglichkeit, sich ab 500 Euro fest verzinst am Bau eines Solarparks zu beteiligen. Das Angebot wird über die jeweilige Betreibergesellschaft organisiert.

Beteiligung über Energiegenossenschaften

Viele Regionen setzen auf Bürgerenergiegenossenschaften (BEGs). Diese beteiligen sich als Organisation mit festen Anteilen an Projektgesellschaften. Das Modell ist besonders attraktiv für Gruppen, die langfristig Einfluss nehmen möchten, etwa durch gemeinschaftliche Entscheidungsprozesse.

Darüber hinaus wirken BEGs in vielen Kommunen als Multiplikatoren der Energiewende, indem sie weitere Projekte anstoßen, etwa den Aufbau von Ladeinfrastruktur.

Strompreisbonus statt Stromtarif

Nicht alle Projektierer können eigene Stromtarife anbieten, da die regulatorischen und organisatorischen Hürden recht hoch sind. Eine Alternative: Bürger aus der Standortgemeinde registrieren sich auf einer Plattform, laden ihre Stromrechnung hoch und erhalten jährlich einen Bonus. Diese Lösung spricht vorwiegend jene an, die ohne eigenes Investment profitieren möchten.

Kommunale Beteiligung

Beteiligung betrifft auch die kommunale Ebene. Maßnahmen wie die Sitzverlagerung der Betreibergesellschaft, freiwillige Gemeindebeiträge oder Investitionen in Ladeinfrastruktur können für Kommunen messbare Vorteile schaffen.

Beispiel: In unserem Solarprojekt in Heiligenfelde kommen der Gemeinde 100 Prozent der Gewerbesteuereinnahmen zugute. Zusätzlich wurde vor Ort eine Ladesäule zur Förderung der Elektromobilität installiert.

Auch im Windprojekt Rottenburg zeigt sich, wie kommunale Beteiligung konkret aussehen kann. Hier besteht eine enge Kooperation mit der Stadt, die wesentliche Flächen für das Projekt bereitstellt und mit Inbetriebnahme des Windparks Pachteinnahmen erzielt. Zudem sind die lokalen Stadtwerke von Beginn an mit 50 Prozent an der Projektgesellschaft beteiligt und gemeinsam mit der Stadt in die Entscheidungsprozesse der Projektentwicklung eingebunden.

 

3. Was bringt Beteiligung wirklich und was nicht?

 

Die Chancen:

  • Bürgerinnen und Bürger profitieren unmittelbar davon, dass das Projekt in ihrer Region entsteht.
  • Gemeinden erschließen neue Einnahmequellen.
  • Projekte gewinnen gesellschaftliche Rückendeckung.
  • Der Austausch auf Augenhöhe verbessert das Miteinander.

 

Die Herausforderungen:

  • Beteiligung muss einfach erklärt, fair organisiert und transparent dokumentiert sein.
  • Nicht jedes Modell passt zu jeder Region rechtlich, technisch oder kulturell.
  • Beteiligung erfordert klare Prozesse und geeignete Plattformen.

 

4. Kommunale Beteiligung: Diese vier Fragen helfen beim Einstieg

  1. Welche Form der Beteiligung passt zu den Erwartungen und Ressourcen unserer Bürgerinnen und Bürger?
  2. Gibt es eine Energiegenossenschaft, mit der wir kooperieren können?
  3. Wie können wir als Gemeinde konkret vom Projekt profitieren – finanziell oder infrastrukturell?
  4. Welche rechtlichen und organisatorischen Schritte sind notwendig, um Beteiligung transparent umzusetzen?

 

5. Aus der Praxis: Beteiligungsmodelle aus ALTUS-Projekten

Die folgenden Beispiele stammen aus Projekten, die ALTUS realisiert oder geplant hat, und zeigen, wie Beteiligung in der Praxis funktioniert. Es handelt sich um ausgewählte Beispiele:

  • Solarparks Lohne, Wolfsgarten und Heiligenfelde:
    In den jeweiligen Standortgemeinden wurde der Sitz der Betreibergesellschaft verlegt, damit die Gewerbesteuereinnahmen nahezu vollständig vor Ort verbleiben. Zusätzlich wurden gemeinnützige Einrichtungen unterstützt und Ladeinfrastruktur für E-Mobilität bereitgestellt.
  • Solarparks Remmesweiler und Oberlinxweiler:
    Die Bürgerenergiegenossenschaft St. Wendeler Land beteiligte sich mit einem festen Anteil an der Projektgesellschaft von ALTUS, ein klassisches Beispiel genossenschaftlicher Mitwirkung.
  • Weitere geplante Projekte:
    Schwarmfinanzierung und Strompreisboni sollen über digitale Plattformen zum Einsatz kommen, unkompliziert, zugänglich und direkt vorteilhaft für die Menschen vor Ort.

 

6. Fazit: Beteiligung ist keine Pflicht, aber eine Chance

Beteiligung ist kein Muss, aber eine echte Chance. Sie verwandelt Projekte von außen in gemeinschaftliche Vorhaben. Sie stärkt das Vertrauen vor Ort, bringt finanzielle Vorteile für Gemeinden und Bürger und schafft Akzeptanz, wo vorher Unsicherheit herrschte.

ALTUS setzt sich dafür ein, dass die Akzeptanz für die Energiewende durch die frühzeitige Einbindung von Anwohnern und Gemeinden gestärkt wird. Als Partner für Kommunen und Projektträger entwickeln wir passgenaue Lösungen, die Wertschöpfung sichern und die Energiewende voranbringen.

Sie möchten herausfinden, welches Beteiligungsmodell zu Ihrer Region passt? Sprechen Sie uns an, gemeinsam gestalten wir Beteiligung mit Wirkung.