Solarparks und Biodiversität

Veränderungen auf Solarparkflächen und ihre Bedeutung für Natur und Artenvielfalt


Solarparks sind ein zentraler Bestandteil der Energiewende. Mit ihrem Ausbau wächst jedoch nicht nur die installierte Leistung, sondern auch die Diskussion über Flächennutzung, Landschaft und Naturschutz. Eine Frage taucht in diesem Zusammenhang immer wieder auf: Wie entwickeln sich Flächen, nachdem dort ein Solarpark entstanden ist?

Die Antwort fällt differenziert aus. Denn wie sich eine Fläche verändert, hängt von mehreren Faktoren ab. Entscheidend sind unter anderem die vorherige Nutzung, die Standortbedingungen und die Art und Weise, wie die Fläche nach dem Bau gepflegt und bewirtschaftet wird. Seit einigen Jahren untersuchen wissenschaftliche Studien genauer, wie sich Solarparkflächen entwickeln. 

Im Fokus stehen dabei Veränderungen der Vegetation sowie Entwicklungen bei Insekten, Vögeln und anderen Tierarten. Betrachtet werden dabei sowohl die Bestände als auch ihre jeweilige Diversität. 

Der folgende Beitrag ordnet ein, auf welchen Flächen Photovoltaik-Freiflächenanlagen entstehen, wie sie sich nach dem Bau verändern und welche Rolle Solarparks für eine nachhaltige Flächennutzung und die Entwicklung strukturreicher Lebensräume spielen. 


1. Warum Solarparks in der Biodiversitätsdebatte eine Rolle spielen


Der Ausbau der Photovoltaik hat in Deutschland deutlich an Dynamik gewonnen. Damit wächst nicht nur die Bedeutung der Solarenergie für die Stromversorgung, sondern auch die Aufmerksamkeit für die Frage, wie Flächen künftig genutzt werden sollen.

Wo Photovoltaik-Freiflächenanlagen entstehen, verändert sich das Landschaftsbild und häufig auch die Bewirtschaftung. Gerade da liegt ein wesentlicher Punkt der Debatte. Solarparks sind nicht nur Energieanlagen, sondern greifen immer auch in bestehende Nutzungsstrukturen ein. Deshalb wird zunehmend gefragt, welche ökologischen Entwicklungen sich beobachten lassen.

Da alle Projekte strengen gesetzlichen Umweltauflagen unterliegen, sind grundlegende Anforderungen an den Naturschutz immer erfüllt. Entscheidend ist jedoch die individuelle Planung, die darüber bestimmt, wie stark ein Standort über die Mindestanforderungen hinaus als Rückzugsraum für Arten fungieren kann.


2. Auf welchen Flächen Photovoltaik-Freiflächenanlagen entstehen


Photovoltaik-Freiflächenanlagen entstehen auf unterschiedlichen Flächentypen. Dazu zählen nicht nur landwirtschaftlich genutzte Flächen, sondern auch Standorte, die bereits vorbelastet oder in anderer Weise geprägt sind. Typische Flächen sind zum Beispiel:

  • Landwirtschaftliche Nutzflächen wie Acker oder Grünland
  • Konversionsflächen, etwa ehemalige Militärgelände oder Industriebrachen
  • Deponie- oder Tagebauflächen
  • Flächen entlang bestehender Infrastruktur wie Autobahnen oder Bahntrassen
  • Benachteiligte landwirtschaftliche Gebiete mit eingeschränkten Nutzungsmöglichkeiten


Diese Flächen unterscheiden sich deutlich in ihrer Ausgangssituation. Entsprechend individuell fällt auch die Entwicklung nach der Errichtung eines Solarparks aus.


3. Wie sich Flächen nach dem Bau eines Solarparks verändern können


Wenn eine bisher intensiv landwirtschaftlich genutzte Fläche in einen Solarpark umgewandelt wird, ändert sich ihre Nutzung oft grundlegend. Auf vielen Standorten entfällt die intensive Bodenbearbeitung. Auch der Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmitteln wird häufig deutlich reduziert oder ganz eingestellt.

Dadurch entstehen neue Bedingungen auf der Fläche. Vegetation kann sich über längere Zeiträume entwickeln, Böden werden weniger gestört und große Teile der Fläche bleiben unversiegelt. Vor allem in intensiv genutzten Agrarlandschaften kann das zu strukturreicheren Lebensräumen führen als zuvor. Ob Pflanzen, Insekten oder bodenbrütende Vogelarten davon profitieren, hängt stark davon ab, wie die Fläche gestaltet und gepflegt wird. Der Solarpark kann hierfür die notwendigen Voraussetzungen schaffen.


4. Erkenntnisse aus Forschung und Praxis


Mehrere Studien liefern inzwischen Hinweise darauf, wie sich Solarparkflächen entwickeln können. Ein oft genanntes Beispiel stammt aus Lauterbach in Hessen. Dort wurde ein zuvor intensiv bewirtschafteter Acker in einen Solarpark umgewandelt. Vor dem Bau wurden dort vier Brutreviere der Feldlerche erfasst. Einige Jahre nach der Inbetriebnahme zählten Fachleute rund zwanzig Brutpaare.

Auch größere Untersuchungen liefern aufschlussreiche Einblicke. Eine Biodiversitätsstudie des Bundesverbands Neue Energiewirtschaft (2025) zu 31 Photovoltaik-Freiflächenanlagen in Deutschland und Dänemark dokumentierte unter anderem 385 Pflanzenarten, 30 Heuschreckenarten, 36 Schmetterlings- und Nachtfalterarten sowie 32 Brutvogelarten. 

Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme weist darauf hin, dass extensiv bewirtschaftete Solarparkflächen häufig eine höhere strukturelle Vielfalt aufweisen als intensiv genutzte Agrarflächen.

Dazu tragen unter anderem Strukturen wie Totholz- oder Steinhaufen sowie Nistkästen bei, die in intensiv genutzten Agrarlandschaften oft fehlen.

Solche Entwicklungen sind jedoch immer standortabhängig und nicht pauschal übertragbar.


5. Flächennutzung und Pflege


Neben der Standortwahl beeinflusst hauptsächlich die spätere Nutzung der Fläche ihre ökologische Entwicklung. Wenn Solarparkflächen extensiv bewirtschaftet werden, entstehen Strukturen, die für verschiedene Arten attraktiv sind.

Dazu gehören zum Beispiel:

  • Wiesenflächen mit standortheimischen Pflanzenarten
  • Gezielte Blühbereiche für Insekten
  • Konzepte zur extensiven Pflege, etwa durch eine zeitlich abgestimmte Beweidung oder eine Mahd nach Juli 
  • Strukturreiche Randbereiche als Rückzugsorte


Diese Maßnahmen stellen sicher, dass der notwendige Offenlandcharakter der Fläche erhalten bleibt und eine unkontrollierte Verbuschung verhindert wird. So entsteht ein Mosaik aus verschiedenen Lebensräumen, das Insekten, Vögeln und kleineren Säugetieren dauerhaft Schutz bietet.

Zäune werden in der Regel so gestaltet, dass sie für Kleintiere durchlässig bleiben, etwa durch einen Abstand zum Boden. So können Igel, Hasen und andere Tiere die Flächen weiterhin nutzen. Auch größere Tiere wie Rehe wurden bereits in Solarparks beobachtet.


6. Standortwahl und ökologische Grenzen


So viel Potenzial einzelne Solarparkflächen auch haben, sie bleiben ein Eingriff in bestehende Landschaften. Deshalb ist die Wahl geeigneter Standorte zentral. Besonders sensible Lebensräume wie Naturschutzgebiete, Moore oder ökologisch wertvolle Grünlandflächen werden in der Regel ausgeschlossen. Solarparks entstehen deshalb häufig auf Flächen, die bereits intensiv genutzt wurden. Eine gute Planung muss immer den konkreten Standort betrachten und den Ausbau der Erneuerbaren Energien sowie den Schutz sensibler Lebensräume vereinen.


7. Solarparks im Kontext nachhaltiger Flächennutzung


Große Teile der Agrarlandschaft sind heute stark intensiviert. Wenn solche Flächen in Solarparks umgewandelt werden, verändert sich ihre ökologische Dynamik grundlegend. 

Da Solarparkflächen in der Regel weder gedüngt noch mit Pestiziden behandelt werden, erhalten Böden und Arten Zeit zur Regeneration. 

Für uns bei ALTUS bedeutet das, Flächen nicht nur unter technischen Gesichtspunkten zu betrachten. Bereits in der Projektentwicklung berücksichtigen wir die spätere Nutzung und Pflege der Standorte. Ziel ist es, Photovoltaik-Freiflächenanlagen und naturverträgliche Flächennutzung von Anfang an gemeinsam zu denken.

Durch eine fachgerechte Pflege, etwa eine zeitlich abgestimmte Beweidung, bleibt der notwendige Offenlandcharakter der Fläche erhalten. So entstehen wertvolle Rückzugsräume, die einen messbaren Beitrag zum Erhalt der regionalen Biodiversität leisten.

In der öffentlichen Diskussion wird der Flächenbedarf von Solarparks häufig kritisch gesehen. Ein Blick auf andere Nutzungen zeigt jedoch, dass beispielsweise Golfplätze in Deutschland insgesamt mehr Fläche beanspruchen als Solarparks (Quelle: pv-magazine: Golfplätze verbrauchen in Deutschland mehr Fläche als Solarparks (21.05.2024 von Petra Hannen)).

Oft gestellte Fragen

Unter bestimmten Bedingungen ja. Durch den Wegfall von Düngemitteln und eine extensive Pflege entstehen oft artenreichere Lebensräume als auf intensiv genutzten Agrarflächen.

Besonders Insekten, Zauneidechsen und bodenbrütende Vögel wie die Feldlerche finden in den ungestörten Bereichen zwischen den Modulen neue Rückzugsräume.

Die tatsächliche Versiegelung ist minimal. Nur die Pfosten der Unterkonstruktion berühren den Boden. Der Großteil der Fläche bleibt offen, sodass Regenwasser versickern kann.